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Ockhams Rasiermesser

Leben

Aus "Wikipedia":

Ockhams Rasiermesser

Ockhams Rasiermesser ist ein Sparsamkeitsprinzip aus der Wissenschaftstheorie. In seiner bekanntesten Formulierung von Johannes Clauberg lautet es: „Entitäten dürfen nicht über das Notwendige hinaus vermehrt werden.“  Steht man vor der Wahl mehrerer Erklärungen, die sich alle auf dasselbe Phänomen beziehen, soll man diejenige bevorzugen, die mit den einfachsten bzw. der geringsten Anzahl an Annahmen auskommt. Es enthält ebenso die Forderung, für jeden Untersuchungsgegenstand nur eine einzige Erklärung anzuerkennen.
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Nicht ganz klar ist bei Ockhams Rasiermesser, was einfach und kompliziert  bedeutet. Es geht hier nach überwiegender Auffassung weniger um die einfache Nachvollziehbarkeit des Erklärungsmodells, als um die Art und Qualität der erforderlichen unüberprüfbaren Annahmen (Axiom). Im Zweifel wird die kürzeste Darstellung als die einfachste betrachtet.

Beispiel: Nach einem Sturm sieht man einen umgefallenen Baum. Aus den Beobachtungen „Sturm“ und „umgefallener Baum“ lässt sich die einfache Hypothese ableiten, dass „der Baum vom starken Wind umgeweht“ wurde. Diese Hypothese erfordert nur eine Annahme, nämlich dass der Wind den Baum gefällt hat, nicht ein Meteor oder ein Elefant. Die alternative Hypothese „der Baum wurde von wilden, 200 Meter großen Außerirdischen umgeknickt“ ist nach Ockhams Rasiermesser weniger hilfreich, da sie im Vergleich zur ersten Hypothese mehrere zusätzliche Annahmen erfordert. Zum Beispiel die Existenz von Außerirdischen, ihre Fähigkeit und ihren Willen, interstellare Entfernungen zu bereisen, die Überlebensfähigkeit von 200 m hohen Wesen bei irdischer Schwerkraft usw.

Dabei ist zu beachten, dass dieses Sparsamkeitsprinzip keine Aussage über die Gültigkeit von Erklärungsmodellen macht, sondern nur ein Kriterium für die Güte von Theorien ist. Schließlich könnte der Baum theoretisch auch unter besagten Umständen zu Fall gekommen sein.

Ein weiteres Beispiel betrifft die ersten organischen Moleküle, die zur Entstehung des Lebens auf der Erde nötig waren. Vergleicht man die These, dass diese Moleküle auf der Erde entstanden sind, mit der These, dass diese Moleküle außerirdischen Ursprungs sind, so stellt man fest, dass die zweite These mehr Annahmen benötigt als die erste. Beide Thesen benötigen die Annahme, dass es am Entstehungsort Bedingungen gab, durch die die Elemente die entsprechenden Bindungen eingehen konnten. Darüber hinaus benötigt die zweite These weitere Annahmen wie zum Beispiel:

  1. In der Nähe der Erde oder unseres Sonnensystems gibt es einen Ort, an dem alle benötigten Elemente zusammen vorkommen,
  2. irgendetwas hat dazu geführt, dass die dort entstandenen Moleküle auf die Erde gelangt sind
  3. ohne beim Eintritt in die Erdatmosphäre zu verglühen.

Ockhams Rasiermesser besagt nicht, welche der Thesen zutrifft, sondern welche von mehreren möglichen zu bevorzugen ist.

Verallgemeinert ausgedrückt geht es bei Ockhams Rasiermesser darum, zu vermeiden, dass unnötige Hypothesen in die Welt gesetzt werden, dass es nicht erforderlich ist, mehrere Annahmen einzuführen, wenn eine weniger oder eine Annahme zur Erklärung genügt, und dass, wenn mehrere Hypothesen konkurrieren, diejenige zu bevorzugen ist, die mit der geringsten Zahl von Voraussetzungen auskommt, um etwas zu erklären.

 
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